Was ist Antiziganismus?

Der Antiziganismus ist ein Teil des europäischen Kulturerbes, genährt für Jahrhunderte durch die Angst vor dem osmanischem Reich (welches bis 1912 bestand) und den „dunklen Türken“. Roma und Sinti stehen vor einer europäischen Gesellschaft, die sich nicht mit ihnen als Menschen beschäftigt, sondern als „Zigeuner“ bildhaft vorstellt.
Dieses bildhafte Denken ist das Problem des Antiziganismus, es erklärt der Mehrheitsgesellschaft das Sein und Verhalten der Roma und Sinti unabhängig von deren Lebenswirklichkeit. Das Bild des nomadisierenden Zigeuners ist ein gutes Beispiel für diese Wirklichkeitsverkennung: 95% der Roma und Sinti leben in Wohnungen oder Wellblechhütten in Osteuropa. Migrationsbewegungen der Roma sind Fluchtreaktionen auf Vertreibungsandrohung oder Gewaltkonflikte in einer Region. Menschen flüchten, wenn sie sich bedroht fühlen. Dieses Fluchtverhalten – fälschlich als „Nomadisierung“ habitualisiert – hat zum Überleben des Roma- und Sinti Volkes beigetragen.
Der Antiziganismus findet sich in allen Schichten – ob arm oder reich – der europäischen Mehrheitsgesellschaft.
Marko D. Knudsen 
1. Vorsitzender – EZAF